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Vom Klang der Donau

Eine Reise von der Quelle bis zum Delta entlang Natur, Musik und Literatur

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783737407748
Sprache: Deutsch
Umfang: 224 S., 90 Farbfotos
Format (T/L/B): 2 x 24.5 x 17.5 cm
Lesealter: 18-99 J.
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Die Donau fließt durch zehn Länder und durch noch mehr Sprachen hindurch, durch ganz verschiedene Landschaften und an unzähligen Dialekten vorbei. Jede Sprachgruppe hört sich selbst im Fluss, im eigenen Fortfließen reden. Die Donau, einer der gewaltigsten Flüsse der Welt und mit 2845 Kilometern der längste Strom Zentral- und Mitteleuropas, ist ein ausgreifender Kulturraum. Durch die Jahrtausende war er wirtschaftlich, strategisch und kulturell immens wichtig. Die Donau verband, die Donau trennte. Wandernd, mit dem Auto und mit dem Schiff reist Alexander Kluy von den Quellen im Schwarzwald bis zum Delta und ans Schwarze Meer. Er findet Kurioses und Originelles, Melancholisches und Bestürzendes: Geschichten, die der Strom umspült hat und mit sich trägt. Mit seinen Betrachtungen macht er die Geschichte und die vielen Geschichten dieses Flusses lebendig und deckt zahlreiche Facetten zwischen Frieden und Krieg, Genusswelt, Wasserwelt und musikalischen Klangwelten entlang seiner Ufer auf.

Autorenportrait

Alexander Kluy, geb. 1966, lebt und arbeitet als Autor, Kritiker und Journalist in München. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen unter anderem Biografien über den Dichter Joachim Ringelnatz, den Maler George Grosz, den Psychologen Alfred Adler, über Alfred Hitchcock, Clint Eastwood und den Eiffelturm sowie Bücher über das jüdische München, das jüdische Paris und die jüdische Provence.

Leseprobe

Hinter Melk kommt einem die Donau irgendwie unschlüssig vor. Sie legt ihr Wasser in Falten, in Schlingen und immer wieder in immer wieder neue Schleifen. Ist sie ihrer unschlüssig, wohin sie fließen soll? Bei Aggsbach fließt sie zu Füßen der Häuser, die Straße verläuft gleich neben ihr. Sie hat es heute, im Regen, eilig, und treibt sich nach vorne. Gegenüber sind Wälder, die nach unten schroppen und sich schieben, gelbgrün, kein Rot. Ab Aggstein ist der 'Donauweg' ein alter Treppelweg. Eine Autofähre gibt es, die hinüber nach Spitz gleitet. Dort wird seit 2008, damals debütierten die 'Europäischen Literaturtage', im November an unterschiedlichsten Orten gelesen. Viele Autorinnen und Autoren aus dem Donauraum waren zu Gast, auch Norwegerinnen und Deutsche, Schweizerinnen und Finnen, Engländer, Isländer und Italienerinnen. Und dann kommt Dürnstein, bei dem mich meine Eltern regelmäßig daran erinnern, einstens hätten sie meiner Schwester und mir im Schlosshotel das Zimmer mit dem viel schöneren Donaublick abgetreten. Dabei hätten wir, weil zu klein, gar nicht durchs Fenster schauen können. Richard Löwenherz war der Erste, der als Tourist nach Dürnstein kam. Nun, nicht ganz als Tourist. Ein Herzog der Babenberger, die vor den Habsburgern herrschten, hatte sich mit ihm, wird kolportiert, bei einer Kreuzzugsfahrerschlacht 1191 in Akkon/Heiliges Land zerstritten. Und das nicht vergessen, als der englische Regent auf dem Weg zurück nach Engelland pseudonym durch seine Lande zog. Kurzerhand setzte er ihn fest und warf ihn ins Schloss zu Dürnstein. England erpresste dieser Herzog Leopold um Lösegeld. Woraufhin Richards Bruder, verspottet als 'John Lackland', 'Johann Ohneland', da nur Thronverweser, seine Untersassen auspresste. Und Robin Hood im Sherwood Forest in Aktion trat. Der Rest ist Errol Flynn. Heute ist Dürnsteins pittoreske, also preislich gehobene Altstadt zwischen Baderhaus und Schlosskirche, eine beliebte Eheschließungslocation, autofrei. Vom Platz vor der Kirche heißt es, hier sei Hugo von Hofmannsthal der Gedanke gekommen, seinen Jedermann könne er ja auch im Freien aufführen lassen. Und zwar hier. Dem kam Salzburg in die Quere. Festspiele gibt es in der Wachau seit 1983. In Weißenkirchen. Die Premiere wurde Skandal und Debakel und trauriger Abgesang in einem. Oskar Werner, der so einzigartige Schauspieler mit der so einzigartigen Stimme, war da schon in der späten Verfallsphase, er versuchte mit Kleists Prinz von Homburg ein Comeback?- zur Pause war der Saal halbleer. Nach einem Intermezzo mit Nestroy- und Goldoni-Komödien wurden 2005 die Festspiele institutionalisiert. Seit 2014 wird Der Wachauer Jedermann gegeben. In Wachauer Mundart. Und der Jedermann ist, natürlich, ein reicher Weinbauer.